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Maßgeschneiderte Hemden

Wären wir menschliche Pfandflaschen, würde uns Kleidung von der Stange sicherlich gut passen. Da die Menschen aber so unterschiedlich gewachsen sind, dass man die Kleidergrößen gar nicht normen kann, können wir selten über ein Kleidungsstück verfügen, welches uns wirklich passt. Meist sind die Ärmel des Hemdes zu lang oder zu kurz, und sollten sie einmal die richtige Länge haben, rutscht das Hemd beim Bücken hinten aus der Hose…

2007 und 2008 wurden über einen längeren Zeitraum zahlreiche Menschen zum Thema „Interesse an Herrenoberbekleidung“ befragt. Die Zahl eins bedeutet dabei soviel wie „überhaupt nicht interessiert“ und die Zahl sechs bedeutet „sehr interessiert“. Ein Drittel der Probanden interessierte sich gar nicht für Informationen zu Herrenoberbekleidung. Sechs Prozent hingegen sind sehr interessiert. Eine solche Befragung muss natürlich auch die Sozialen-Milieus berücksichtigen. Insgesamt wurden nämlich 20.165 Menschen ab 14 Jahren befragt und das sich ein 14 Jähriger vielleicht nicht unmittelbar für das Thema Mode interessiert, sollte klar sein.

Kleidung im Wandel der Zeit.

Zu Großvaters Zeiten trugen die Menschen noch Einheitskleidung. Oft war ein neues Hemd sehr teuer, weil es für den Träger persönlich angefertigt wurde. Doch diese ein oder zwei Hemden, die man sich leisten konnte, waren von einer solch hohen Qualität, dass sie ein Leben lang getragen werden konnten, oder meistens sogar noch weiter vererbt wurden. Und das war alles auch ohne den Schonwaschgang in der Waschmaschine möglich. Denn in dieser Zeit wurde Kleidung stets von Hand gewaschen und Hemden und Unterwäsche sogar gekocht. Wie war das möglich? Die Hemden beispielsweise, waren von Hand genäht und der Stoff wurde vorher von Hand zurechtgeschnitten, nachdem ein Fachmann die individuellen Körpermaße des künftigen Trägers abgenommen hatte. Allein durch die Kunstfertigkeit des Schneiders wurden das Einlaufen und die Tragefalten schon bei der Entstehung des Hemdes berücksichtigt, um später ein bequemes Tragen des Kleidungsstückes zu gewährleisten.
Im Industriellen Zeitalter ging man dann dazu über, nicht nur die Stoffbahnen mit Hilfe von Maschinen zu erzeugen, sondern auch die Einzelteile der Kleidungsstücke automatisch zurechtzuschneiden. Diese Produktionsmethode ermöglichte es, viel mehr Hemden noch schneller herzustellen. Für das Militär zweier Weltkriege war das eine gute Methode preiswert und schnell viele Soldaten mit Dienstbekleidung auszustatten; – allerdings auf Kosten der Trageeigenschaften. Diese Hemden passten nicht mehr richtig, aber das spielte keine Rolle.
Die preiswertere Methode der Bekleidungsherstellung setzte sich auch im privaten Bereich durch. So wurde es für Jedermann möglich, mehrere Hemden zu besitzen, da sie ja nicht mehr sehr teuer waren. Das war dann auch durch die ständigen Wechsel der Modetrends nötig. Doch irgendwann sind uns dabei im Laufe der Zeit die bequemen Trageeigenschaften maßgeschneiderter Hemden abhanden gekommen.

Maßkleidung ist eine Notwendigkeit und kein Luxus.

Wer sich einmal den Luxus gönnt, sich einen Anzug individuell anfertigen zu lassen, sei es der Hochzeitsanzug oder lediglich die umfangreiche Änderung eines geliebten Kleidungsstückes in einer Änderungsschneiderei, merkt sofort, dass hier etwas anders ist. Das Kleidungsstück hat plötzlich Eigenschaften, die man vorher von ähnlichen Kleidungsstücken nicht gewohnt war. Beim Bücken rutscht das Hemd nicht mehr hinten aus der Hose und beim Schreiben werden die Ärmel nicht automatisch zu kurz. Das liegt daran, dass bei der Maßanfertigung auch schneiderische Kunstgriffe angewendet werden, welchen bei der Herstellung von Kleidung von der Stange keiner Aufmerksamkeit zukommen kann. Ein Hemd, bei dessen Anfertigung die individuellen Körperproportionen des Trägers (oder der Trägerin) berücksichtigt wurde, trägt sich besser und sieht stets gut aus.

Die Maßanfertigung von Damenblusen ist ein Kapitel für sich. Ist beim Mann höchstens ein ansehnlicher Wohlstandsbauch im Hemd unterzubringen, warten die weiblichen Proportionen im oberen Bereich mit noch größeren Herausforderungen an den Schneider auf. Die Industrie behilft sich ja bereits bei der Herstellung von Büstenhaltern mit drei verschiedenen Größenangaben: Brustumfang, Unterbrustumfang und Körbchengröße. Doch trotzdem wird sicherlich keine Frau auf Nachfrage ehrlich antworten können, dass sie einen perfekt sitzenden BH zu ihren Kleidungsstücken zählt. Es werden aber Blusen in Größe “S”, “M” oder “L” verkauft! Für ein geschmeidiges und gut anpassungsfähiges, weil dehnbares, T-Shirt wird das wohl noch machbar sein. Schwieriger, wenn nicht gar unmöglich, wird es dann, eine elegant enganliegende Bluse in Einheitsgröße herzustellen, welche man über längere Zeit bequem tragen kann. Deshalb ist es unumgänglich, wenigstens einige Kleidungsstücke zu besitzen, welche anhand der eigenen, individuellen Körpermaße angefertigt wurden. Das ist dann keine Angeberei oder unnützer luxuriöser Lebenswandel, um andere zu beeindrucken, sondern eine Notwendigkeit um im Alltag nicht unter seiner Kleidung leiden zu müssen. Denn scheuernde Kleidung und Druckstellen sind nicht nur körperliche Läsuren, sondern ein echtes psychisches Ärgernis, welches einem nicht nur den Alltag, sondern auch seine Arbeitsleistung verderben kann.

Von der “Kleidung von der Stange” zurück zur Maßkleidung.

Damit man sich auch für relativ wenig Geld ein echtes Maßhemd leisten kann, gibt es die Möglichkeit sich dieses online zu bestellen. Ein maßgeschneidertes Hemd kostet im Internet häufig sogar weniger Geld als ein Markenhemd von der Stange. Hierfür ist es erforderlich, dass man einen Arbeitsschritt des Schneiders selbst erledigt: Das Maßprofil erstellen.

Dazu werden mindestens folgende Maßangaben benötigt:

  • Das Körpergewicht und die Gesamtgröße.
  • Halsumfang.
  • Brustumfang.
  • Bauch- und der Hüftumfang.
  • Schulterbreite.
  • Die Armlängen und die
  • gesamte Hemdlänge.

Für die bessere Passgenauigkeit des späteren Hemdes werden manchmal noch zusätzlich die Manschettenweiten und die Maße von den Oberarmen und der Armausschnitt benötigt.
Günstig ist es, wenn man bereits ein Hemd besitzt, welches gut passt. Vielleicht hat man bereits ein Maßhemd oder hat ein Hemd in der Änderungsschneiderei passend machen lassen.
Alternativ kann man auch ein Hemd mit Standardmaßen nehmen und die Abweichungen vermessen, die zu den gewünschten Maßen führen.
Das Maßnehmen am Körper sollte man von einer zweiten Person vornehmen lassen, um die Maße nicht durch die Bewegungen zu verfälschen. Die ermittelten Maße werden dann auf der Internetseite des Anbieters online eingegeben und in dessen Maßprofilsystem gespeichert.
Danach können dann die Hemden mit den gewünschten Stoffen in den gewählten Farben und Mustern unter Berücksichtigung von speziellen Wünschen angefertigt werden. Meist kann man Hemdtaschen oder Knöpfe, Manschetten oder Umsäumungen und Weiteres, ganz nach den individuellen Vorlieben auswählen.



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